Die Bürgerstiftung Filderstadt hat zum 7. Mal die Ehrung „Filderstädter des Jahres -Stille Helden“ verliehen. Die Auszeichnungen gehen dieses Jahr an eine Frau und zwei Männer.
Gemeinsam zeichnet sie aus, dass sie sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren. Eine feierliche Ehrung erfolgte im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt Filderstadt am 11. Januar 2026. Die Stiftung war dazu erneut von OB Christoph Traub eingeladen worden, die Preisträger der Öffentlichkeit als einen Programmpunkt der Veranstaltung vorzustellen.
Die Ehrung der Stillen Heldinnen und Helden gehört zu den Anlässen, die der Stiftung besonders am Herzen liegen. Dieser Anlass steht für unsere Stiftungsziele, das Miteinander, das Füreinander und das Verbindende. Und er rückt diejenigen Menschen ins Zentrum, die sich für das Gemeinsame still und leise stark machen, die als engagierte Bürgerinnen und Bürger Verantwortung gegenüber ihrer Gemeinschaft übernehmen.In Zeiten, in denen Vertrauen schwindet, gesellschaftliche Debatten schärfer werden und Gewissheiten brüchiger erscheinen, gewinnt dieses Engagement zusätzlich an Bedeutung. Eine lebendige Zivilgesellschaft ist deshalb kein schmückendes Beiwerk, sondern eine tragende Säule unseres demokratischen Gemeinwesens.
Die Auszeichnungen 2026 gehen an
Klaus Andelfinger
Anika Föhl
Gerd Zimmermann
Gemeinsam zeichnet unsere 3 Preisträger aus, daß sie tolle Beispiele dafür sind, wie wir alle dazu beitragen können, unsere Gesellschaft und damit die Demokratie zu stärken. Und sie geben, jeder auf seine Art Zuversicht. Das hilft, dass Menschen sich nicht zurückziehen und vereinsamen, sondern ins gemeinschaftliche Handeln kommen.

v.l.n.r.: OB Christoph Traub, Gerd Zimmermann, Anika Föhl, Klaus Andelfinger, Wolfgang Herb (Bürgerstiftung)
Auszüge aus der Laudatio:

Klaus Andelfinger
Seit Jahrzehnten prägt Klaus Andelfinger die kirchenmusikalische Landschaft in Filderstadt und darüber hinaus. Sein Engagement ist getragen von Ausdauer, Leidenschaft, Verantwortungsbewusstsein und einer großen Nähe zur Sache.
Als Organisator des Orgelsommers hat er eine Konzertreihe aufgebaut, die sich von ihren Anfängen in den 1990er-Jahren zu einem festen kulturellen Höhepunkt entwickelt hat. Was einst in der St.-Stephanus-Kirche klein begann, ist heute eine mehrwöchige Reihe mit verschiedenen Spielorten in mehreren Stadtteilen. Dabei wird der Orgelsommer weit über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen und ist im kulturellen Kalender Filderstadts eine feste Größe.
Klaus Andelfinger gelingt es Künstlerinnen und Künstler mit Kirchengemeinden über Konfessionsgrenzen hinweg zu verbinden, bringt die Musikerinnen und Musiker mit der regionalen Kulturszene zusammen und schafft Räume für Begegnung durch Musik. Sein Anspruch ist dabei immer derselbe: Musik soll zugänglich sein, unabhängig von Alter, Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten. Kultur wird für ihn nicht exklusiv gedacht, sondern als gemeinschaftliches Erlebnis.
Ein besonderes Anliegen ist ihm die Förderung junger Musikerinnen und Musiker. Er eröffnet Auftrittsmöglichkeiten, begleitet Studierende der umliegenden Hochschulen und vernetzt sie auch mit anderen Akteuren der regionalen Kulturszene. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur musikalischen Nachwuchsarbeit und sorgt dafür, dass kulturelle Vielfalt nicht nur erhalten, sondern weitergetragen wird.
Und dann gibt es Momente, in denen seine Kreativität besonders zum Vorschein kommt: Wenn die Orgel kurz vor einem Konzert streikt, ruft Klaus Andelfinger natürlich den Hersteller zuerst an, verzweifelt aber nicht, wenn er ihn nicht erreicht – nein, er kennt jemanden, der sonst S-Bahn-Züge repariert und wieder flottmacht. Seine Überlegung: Wer große Züge reparieren kann, bekommt auch große Orgeln wieder flott. Kurios? Absolut. Funktioniert? Tadellos.
Klaus Andelfinger ist weit mehr als ein kreativer Organisator. Er ist ein verlässlicher kultureller Gestalter, der mit stiller Beharrlichkeit das kulturelle Leben unserer Stadt bereichert. Für die Musikszene ist er längst ein stiller Held – wir meinen für uns alle!

Anika Föhl
Anika Föhl – ein schönes Beispiel dafür, dass Engagement keine Frage des Alters ist.
Während viele gute Vorsätze mit dem Jahreswechsel schnell wieder verblassen, hat Anika Föhl ihren Neujahrsvorsatz für 2024 konsequent umgesetzt: Sie wollte sich ehrenamtlich engagieren – und hat es einfach getan. Als Anfang des Jahres Ehrenamtliche für das Projekt „Besuch mit Buch“ gesucht wurden, meldete sie sich als eine der Ersten. Ohne lange zu überlegen übernahm sie eine Aufgabe, die alles andere als leicht ist: den regelmäßigen Besuch von zwei bettlägerigen, an Demenz erkrankten Frauen im Pflegeheim St. Vinzenz.
Was zunächst wie ein Projekt begann, wurde sehr schnell zu einer festen, verlässlichen Aufgabe. Woche für Woche kommt Anika Föhl ins Pflegeheim, bringt Bücher mit, liest vor, hört zu und schenkt damit Aufmerksamkeit, Abwechslung und Nähe. Gerade bei Menschen, deren Erinnerungen brüchig geworden sind und die sich nicht mehr selbstverständlich mitteilen können, ist das von unschätzbarem Wert. Vorlesen bedeutet hier nicht nur Textvermittlung, sondern sozialen Kontakt und Beziehung – beides entsteht nur durch Geduld, Respekt und echte Zuwendung.
Dass Anika Föhl diese Verantwortung ernst nimmt, zeigt sich auch in den kleinen, aber entscheidenden Momenten. Als sie für ein Auslandssemester nicht vor Ort sein konnte, kümmerte sie sich selbst um eine Vertretung, damit die Besuche nicht ausfallen mussten. Nach ihrer Rückkehr hat sie das Engagement nahtlos wieder aufgenommen und den Kontakt weiter vertieft – mit großer Verlässlichkeit und einer Haltung, die weit über das bloße Einhalten von Terminen hinausgeht.
Ihr Antrieb ist dabei ebenso klar wie überzeugend: etwas zurückzugeben, Verantwortung zu übernehmen und Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, die nicht mehr selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ein Vorbild dafür ist ihr die eigene Mutter. Und vielleicht erklärt das auch ihr eigenes schönes Bild für ihr Engagement: „Mit einem Buch ist man nie allein, wenn man auf fremde Personen zugeht.“
Das Engagement von Anika Föhl zeigt, dass Verantwortung nicht an ein Alter gebunden ist – sondern an Haltung, Mitgefühl und die Bereitschaft, Zeit zu schenken. Dafür danken wir ihr sehr.

Gerd Zimmermann
Wenn man Gerd Zimmermann beschreiben möchte, dann vielleicht so: Er ist jemand, der Funktionsuntüchtiges nicht mag und Spaß daran hat – ich zitiere - „Dinge in Ordnung zu bringen“. Meist beginnt das nach einem knappen und freundlichen „Hallo“ mit einer Frage, die bei ihm ziemlich früh fällt:
„Was funktioniert denn eigentlich nicht?“
Diese Frage stellt sich ganz praktisch im Reparaturcafé in Bonlanden, in dem er seit 6 Jahren mit anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern an ca. 7 Terminen jährlich aktiv ist. Dort in den Werkräumen der Realschule Seefälle wird geschraubt, geprüft und ausprobiert. Ein Gerät, das nicht mehr läuft, ist für Gerd Zimmermann weder ein Ärgernis noch ein Fall für den Müll, sondern eine Einladung zur Fehlersuche. Oft reicht ein genauer Blick und technisches knowhow, manchmal mehrere Anläufe – und am Ende läuft erstaunlich viel wieder – sehr zur Freude der Besucherinnen und Besucher.
Auch bei „Rat und Tat“, der kleinen Hilfe im Alltag, ist Gerd Zimmermann als Freiwilliger aktiv. Menschen die Hilfe brauchen melden sich mit technischen oder organisatorischen Fragen bei einer städtischen Anlaufstelle – und solche Anfragen finden dann schnell den Weg zu Gerd Zimmermann. Die Lösung des Problems steht im Mittelpunkt, aber fast immer bleibt auch Zeit für ein Gespräch, das über das eigentliche Anliegen hinausgeht.
Digitale ehrenamtliche Unterstützung bietet Gerd Zimmermann über die Familienbildungsstätte Filderstadt und weitere Kooperationspartner regelmäßig im Internet-Café „Digitale Hilfen“ in der Alten Mühle in Bonlanden an. Dort erklärt er Smartphone, Tablet und Laptop so lange, bis sie wieder das tun, was sie sollen – und die Nutzerinnen und Nutzer zumindest eine Ahnung haben, warum.
Dieses Prinzip – hinschauen, ordnen, erklären – setzt sich auch im digitalen Raum fort. Als Co-Administrator der Facebook-Gruppe „Treffpunkt Filder“ mit über 13.000 Mitgliedern sorgt Gerd Zimmermann mit klaren Regeln, Konsequenz und Gelassenheit für Ordnung – und dafür, dass der Umgangston sachlich bleibt oder manchmal auch wieder wird.
Mit seinem vielfältigen Engagement ist Gerd Zimmermann eine verlässliche Stütze für viele Menschen in Filderstadt. Hilfsbereit, pragmatisch und überzeugend. Genau dafür zeichnen wir ihn heute aus.

