Am 8. Februar klingelten die Telefone der Filderstädter Impfservice-Hotline „7003-160“ nahezu ununterbrochen. An diesem Tag startete das Angebot für in Filderstadt lebende Menschen ab 80 Jahren, diese bei der Corona-Impfung zu unterstützen.
Die Stadtverwaltung Filderstadt hatte dazu eine telefonische Hotline eingerichtet, die Bürgerstiftung Filderstadt, das evangelische Familienzentrum Bernhausen sowie der zur Stadtverwaltung gehörende Quartiersladen in Sielmingen hatten sich bereit erklärt die Vermittlung von Impfterminen zu übernehmen.Der Verein aktiv für Senioren in Filderstadt e.V. (SUSEmobil) und das DRK hatten zugesagt im Bedarfsfalle die Impflinge ins Impfzentrum zu fahren und zur Impfung zu begleiten.

(Foto: Silke Köhler, Stadt Filderstadt)
Nahezu 800 Unterstützungsanfragen wurden seit Februar durch Mitarbeiter*innen der Stadt Filderstadt telefonisch aufgenommen und davon 170 Buchungswünsche für Impftermine an das evangelische Familienzentrum Bernhausen, die Bürgerstiftung sowie den Quartiersladen Sielmingen weitergegeben. In ca. 12 % der Anrufenden war es nur notwendig, die Termine zu vereinbaren, für den Rest erfolgte eine komplette Unterstützung, Dies mündete in ca. 300 Fahrten durch SUSEmobil zu verschiedenen Impfzentren und wieder zurück, auch an Wochenenden und zu nachtschlafenden Zeiten, mit teilweise 3 eingesetzten Fahrzeugen und zehn Fahrten für Rollstuhlfahrer durch das DRK.
Erfahrungen und Herausforderungen mit den Unwägbarkeiten der telefonischen Impfterminvergabe 116117 oder des Online-Portals wurden zwischen den Kooperationspartnern in regelmäßigen Videokonferenzen ausgetauscht. Im April gelang es in einer konzertierten Aktion über 50 Impflinge an einem Wochenende beim Impfzentrum Messe impfen zu lassen, was insbesondere beim Fahrservice SUSEmobil einen hohen Einsatz von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern erforderte. „Auf die aus 18 ehrenamtlich tätigen Fahrer*innen von SUSEmobil war jederzeit Verlass und dank der Einsatzmöglichkeit von 2 eigenen Fahrzeugen des Vereins „aktiv für Senioren in Filderstadt e.V.“ als Träger von SUSEmobil konnten alle Anfragen nach einem Fahrdienst zum Impfen positiv beantwortet werden, sagt Karl Praxl von SUSEmobil und ergänzt „Liebevolle, umsichtige Unterstützung sowie Begleitung beim Transport und Impfvorgang gehörten natürlich mit zum Service!“
Die gute Kommunikation zwischen den Kooperationspartnern, aber auch das Netzwerk von ausschließlich ehrenamtlich aktiven Unterstützern innerhalb der Bürgerstiftung ist einer der Aspekte, den Rainer Dieringer, Vorstand der Bürgerstiftung, sehr schätzt: „Am Anfang gab es schon viel Unsicherheit und Frust über nicht vorhandene Termine, aber die steigende Erfahrung, der offene Austausch und die gegenseitige Unterstützung in der Gruppe schaffte neue Motivation.“
Auch die Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung Filderstadt aus der Abteilung Jugend und Ältere waren tatkräftig am Impfterminservice beteiligt. Die komplette Koordination, der hilfsbereite und geduldige Bürger*innenkontakt über die Hotline und die kontinuierliche Informationsrecherche zu den sich stets ändernden Rahmenbedingungen haben über ein halbes Jahr den Arbeitsalltag der Mitarbeiter*innen geprägt. Von der Stadtverwaltung wurde die sehr gute Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern als großer Gewinn für hilfebedürftige Bürger*innen und das Gemeinwohl Filderstadts empfunden.
Die größte Motivation gewann das ganze Team aber durch die Dankbarkeit der Menschen, wenn ein Termin reserviert war, die Impfung erfolgreich absolviert und der Fahrservice perfekt durchgeführt wurde. Bettina Moritz, die Leiterin des Evangelischen Familienzentrum Bernhausen meint begeistert: „Meine Mitarbeiterin im Sozialen Jahr und ich haben uns jedes Mal mitgefreut, wenn eine Buchung erfolgreich war und wir Leuten auch noch den „Rund-um“-Service mit Fahrdienst durch das SUSEmobil anbieten konnten. Wir waren völlig überwältigt von den vielen Zeichen der Dankbarkeit, die uns erreichten: Grußkarten, Anrufe, kleine Aufmerksamkeiten im Briefkasten, manche Leute kamen auch persönlich bei uns vorbei, um Danke zu sagen.“
Günter Kühne aus Sielmingen war einer der Ersten, dem ein Impftermin vermittelt werden konnte: „Mein Sohn hatte davor schon tagelang vergeblich versucht, über das Internet einen Impftermin zu bekommen. Über den Impfterminservice der Stadt hat es dann sehr schnell geklappt. Meine erste Impfung erfolgte kurz nach meinem 90. Geburtstag bereits im Februar dieses Jahres. Das war eine große Erleichterung für mich und meine Familie. Dem engagierten Team an dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank.“ Auch Josefina Krämer aus Bonlanden kam über die Hotline schnell zu ihrem Impftermin: „Ich hatte davor schon tagelang telefonisch erfolglos versucht, einen Impftermin zu bekommen. Nach meinem Anruf bei der Stadt vergingen dann einige Tage, und plötzlich kam der Anruf, dass schon ein Termin für mich reserviert sei.“
Einige Anrufende hatten die Hoffnung, dass sie über die städtische Hotline bevorzugt an Impftermine herankommen. So entstand manchmal Enttäuschung bei einigen Anrufenden, weil keine anderen Mittel als allen Bürgern zur Verfügung standen. „Ab und zu gab es diese Erwartungshaltung, die wir aber meist gleich beim Erstkontakt klären konnten“, erläutert Jürgen Wagner-Haußmann vom Amt für Familie, Schulen und Vereine der Stadt Filderstadt und ergänzt: „Die Kooperation ist ein schönes Beispiel für ein erfolgreiches Miteinander in Filderstadt“.
Die Anfragen nach Unterstützung sind, selbst nach Ausweitung des Angebots auf Anrufende über 60 Jahre nach anfänglich großem Interesse inzwischen auf nahezu Null zurückgegangen. Dies ist wesentlich der Tatsache geschuldet, dass die Altersgruppe der über 60-Jährigen in Baden-Württemberg mit 83% einmal geimpft (Quelle: RKI, Digitales Impfquoten-Monitoring COVID-19 vom 09.07.2021) und damit auch über einen Zweittermin verfügt. Das Unterstützungsangebot soll für einzelne Notfälle aber auf jeden Fall aufrechterhalten werden.